NPCX's Deus Ex Welt

NPCX's Deus Ex Welt

Deus Ex - Eine Einführung


Deus Ex ist eines der besten Computerspiele aller Zeiten. Zwar ist seine Grafik inzwischen überholt und es gibt heute Erstaunlicheres. Was Spielführung, Geschichte, Tiefgang und Charaktere angeht, kann kaum ein anderes Spiel Deus Ex das Wasser reichen.
Die Grafik betreffend liegen Welten zwischen Deus Ex und Deus Ex Invisible War, doch haben beide eine unverkennbare Atmosphäre. Die Persönlichkeit der Protagonisten entwickelt sich ebenfalls.. Mein Eindruck: Paul hat sich bereits in DeusEx vom grossen Bruder zum väterlichen Freund von JC entwickelt, ist weicher geworden, nicht mehr so kantig wie in den ersten Missionen. Sicher auch deshalb, weil er nun nicht mehr sein doppeltes Spiel auch gegen seinen Bruder spielen muß.
JC Dentons Entwicklung macht einen grossen Sprung durch die Verschmelzung mit der künstliche Intelligenz „Helios“; vom UNATCO-“Punk“ und Underdog zum seriösen Philosophen, der sich allerdings sehr vom Rest der Menschheit weg sublimiert hat. Auch dies war in JCs Charakter bereits zuvor angelegt. Sein latenter Hang zur Arroganz wurde in IW überzeugend fortgeführt und es erfolgte insofern eine gute Anknüpfung.

Zurück zu Deus Ex. Das Spiel kam im Jahr 2000 heraus, doch auch heute ist es mir kein bißchen langweilig geworden. Ich habe es viele Male durchgespielt und immer entdecke ich andere Varianten und neue Wege, zur Lösung zu kommen. Auch JC variiert von Mal zu Mal und ich entdecke andere Facetten an ihm, gehe andere Wege, komme auf neue Ideen. Das Spiel läßt dies zu. Es macht das DeusEx-Gefühl aus.
Spielt man DeusEx so intensiv wie ich, wächst einem JC ans Herz wie ein guter Freund, mit dem man immer neue Erlebnisse hat. Wenn ich meinen ersten Durchgang mit allen späteren vergleiche, so wundert mich, wieviele Situationen man in diesem Spiel friedlich bereinigen kann. Es kann bei mehrfachem Spielen sinnvoll sein, den Schwierigkeitsgrad höher zu schrauben. Das ganze Spiel erfolgreich durchzuspielen, ohne außer Anna Navarra, deren Liquidierung eine Option ist, jemanden getötet zu haben, ist mir noch nicht gelungen.
Beispielsweise habe ich bei den Mole-People keinen einzigen Schuß abgegeben. Das hat allerdings nur dann geklappt, wenn der NSF-Kommandant seinen Leuten "Hold fire!" befohlen hatte, wenn man mit ihm gesprochen hat. Denn schon während des Gesprächs hatten mich die NSF-Soldaten entdeckt und ihre Waffen durchgeladen. Da er das nicht zwangsläufig tut, ist es sinnvoll zu speichern, wenn Du eine Situation genauso durchspielen willst, wie du es dir vorstellst.

Ob Du allerdings tötest oder nicht, ist deine eigene Entscheidung. Für mich ist das nicht ausgeschlossen. MJ12-Truppen und -Commandos sind schwer ohne ausufernde Gewalt zu stoppen und in der Situation, in der Pauls Leben bedroht ist, ist diese Reaktion naheliegend.. Ich muss sagen, dassich manchmal in DeusEx aus taktischen Gründen töte - oder wenn sich mir ausser dem eigenen Tod keine Alternative mehr zu bieten scheint.
Walkthroughs und reviews gibt es im Internet wie Sand am Meer. Dem will ich hier nicht Gleiches hinzufügen. Vielmehr würde ich gerne eine allgemeine persönliche Herangehensweise mit Schlüsselszenen und Vergleichen zu Deus Ex Invisible War beschreiben.


Meine Anmerkungen: Skillpoints Und Augmentations

Jeder, der Deus Ex spielt, sollte sich gleich zu Anfang vertraut machen mit diesen zentralen Besonderheiten des Spiels. Sie bilden neben den Entscheidungen, die man trifft, die Persönlichkeit der Hauptperson mit aus. Da DeusEx kein reiner Egoshooter ist, in dem der gewinnt, der am besten ballert, sind Fähigkeiten wichtig, die ermöglichen, Konflikten aus dem Weg zu gehen und Kämpfe zu vermeiden. Dazu gehören die Fähigkeiten Hacken, Schlösser knacken, Elektronik und Enviromental Resistance, zum Grossteil also Dinge aus dem Stealthgame-Bereich.

Was die Implantatschnittstellen angeht, scheiden sich die Geister der Fans. Es gibt einige, die von Spielern, die Walkthroughs im Internet veröffentlicht haben, als nutzlos eingestuft werden - von denen ich aber profitiert habe. Und andere, wie die EMP-Drohne, von der ich selbst meine, daß sie nichts taugen, wohl weil ich nicht richtig damit umzugehen verstehe.
Da man die Schnittstellen, wenn einmal installiert, nicht mehr tauschen kann, ist die Entscheidung, was man auswählen sollte, nicht leicht. Sinnvoll finde ich auf jeden Fall Geschwindigkeitsverstärkung, Regeneration, Microfibulare Muskulatur, Energie Recycling und Biotarnfeld.
Aqualunge ist im Grunde nicht nötig. Mit der Umgebungsresistenz und guten Fähigkeiten im Schwimmen kann man sich auf dem La-Guardia-Airfield den mühsamen Weg um die Bots herum ersparen und durch die Kanalisation schwimmen, ohne zu ertrinken.
Doch es ist die Entscheidung des Einzelnen.
Da Upgrades rar sind und erst spät im Spiel auftauchen, halte ich Verbesserungen, die den offenen Kampf unterstützen, für nicht sinnvoll, da auch diese erst ab der Fähigkeit „Tech3“ wirklich Wirkung zeigen. Die „Aggressive Verteidigungsdrone werde ich allerdings ausprobieren, denn mit der Spionagedrone komme ich nicht so recht klar.


Waffen

Auch hier gilt: Nehmen, was einem liegt. In Mission eins lasse ich meist Paul JC die GEP-Gun geben, denn Miniarmbrust und Scharfschützengewehr kann man von zwei NSF-Leuten auf Liberty Island ergattern, wenn man es geschickt anstellt. Die GEP-Gun bekommt man ansonsten erst viel später und ich benutze sie gerne für Bots und Geschütztürme.
Das Scharfschützengewehr motze ich frühzeitig mit einem Schalldämpfer auf, sowie kontinuierlich mit Reichweiteerhöhungen und Rückstoßdämpfung. So kann man lautlos, ungesehen und frühzeitig ein Areal für sich oder Geiseln bereinigen.
Die automatischen Waffen wie das Maschinengewehr habe ich noch nicht ausprobiert, denke aber, daß ich mich damit nicht wohl fühlen würde. Andere lehne ich aus moralischen Gründen ab, etwa den Flammenwerfer. Soll Gunther seine Umwelt grillen, wenn es ihn befriedigt. Flammenwerferträger sind bei mir die ersten Gegner, die ich vorsichtshalber auf die eine oder andere Weise ausschalte.


Freunde

...finde ich wichtig und für sie zu sorgen tut gut, denn die Atmosphäre in DeusEx ist kalt und düster und JC ist ziemlich allein. Es gibt Missionen, in denen er sich oberhalb der Kanalisation nicht mehr blicken lassen darf, etwa in Hell´s Kitchen, wo es darum geht, Stanton Dowd auszugraben oder in Paris, wo öffentliche Computerterminals JC klarmachen, daß nun auch Interpol inzwischen nach ihm sucht.
Nach der Übermittlung des Evakuierungssignals an NSF und Silhouette, verschwinde nicht durch´s Fenster aus Paul´s Wohnung im Ton Hotel! Bleib bei ihm und kämpfe, dann wird auch die weitere Geschichte interessanter, weil Dein Bruder noch lebt. JC, elf Jahre jünger als Paul, bewundert ihn und eifert ihm nach. Aber überlasse hier das Kämpfen nicht ihm allein, denn im Gegensatz zu dem, was ich in vielen Walkthroughs schon gelesen habe, kann es passieren, daß Paul erschossen wird.
Es kann mit in dem Durcheinander auch passieren, dass man ihn mit der eigenen Waffe versehentlich trifft.
Geh auf jeden Fall nach erfolgreichem Kampf in der Lobby zur Vordertür hinaus, auch wenn dort noch mehr Ärger wartet, denn das Fenster ist ein Switch im Spiel; es tötet Paul, wenn man durchschlüpft, egal zu welchem Zeitpunkt man das macht - im Grunde ist das ein Bug.
Von dem NSF-Leader oben in der Statue erfährst Du viel, wenn Du ihn nicht tötest. Warum solltest du auch! Filben wird im weiteren Verlauf des Spiels hilfreich für Dich sein, wenn du ihn leben läßt. Außerdem wirst Du nicht von deinem Bruder Paul hören, daß Du ein Esel bist - "You´re a jackass, JC!".
Rette die Geiseln in Battery Park - zweite Mission! Es gibt nicht nur mehr Geld von Manderley, sondern auch mehr Fähigkeitenpunkte. Paul wird sonst auch ziemlich stinkig sein. Ich finde, Paul sollte ein besseres Bild von seinem Bruder kriegen. Und ein schöneres Gefühl ist es auch, wenn sich die Leute freuen, noch am Leben zu sein.
Beseitige allerdings jeden MJ12 in den Pariser Katakomben, der dir nach dem Treffen mit Chad begegnet, ob mit Betäubungspfeilen oder auf weniger gnädige Weise, denn sonst werden die Geiseln von übriggebliebenen Wachen umgebracht, wenn sie zu Chads Festung zurücklaufen. Mission verloren und ein scheußliches Gefühl!
Manche mögen Buck "Jock" Flannagan nicht. Zu denen gehöre ich nicht. Ich finde, er ist ein liebenswerter Brummbär und noch dazu Pauls Freund. Also enttarnt JC bei Morgan Everett den Mechaniker, der eine Bombe in Jock´s Helikopter platziert hat. Jock wird also nicht in die Luft gehen, nachdem er JC in der Area 51 abgesetzt hat. Überdies wirft diese Geschichte ein schlechtes Licht auf Morgan Everett und seine Fähigkeit, Gäste in seinem Haus zu schützen und seine Organisation unter Kontrolle zu halten. Kein unwichtiger Aspekt, sobald der Zeitpunkt der Entscheidung naht. Für mich war das jedenfalls ein Gesichtspunkt von mehreren, mich gegen die Illuminati zu entscheiden.


Die Omar assimilieren, JC im Grunde nicht. "Helios soll kommunizieren, nicht assimilieren. Das Leben geht weiter wie bisher." JCs Vision kann aber nur dann funktionieren, wenn jedes Individuum seine Persönlichkeit behält und nur seine Fähigkeiten und Leistungen einbringt. Jeder bringt seine Erfahrungen bei gleichwertigem Zugriff auf die der anderen in das Netzwerk ein, ungeachtet von Herkunft, gesellschaftlichem Status oder Vermögensverhältnissen. Damit ist auch das Teile-Und-Herrsche-Gesellschaftssystem der Illuminati mitsamt seiner Korruption und der immer wiederkehrenden Gefahr von Verschwörungen und Intrigen ad absurdum geführt
Was „meinem“ JC selten gelungen ist, war Familie Renton zusammenzuhalten. Sandra hing entweder in der Underworldbar rum oder mit einem irren Junkie in Kalifornien. Aber es gibt eben Menschen, die ein ungeheueres Talent entwickeln, sich in Schwierigkeiten zu bringen und sich mit den falschen Leuten einzulassen.
So wie Leo Jankowsky. Wie kann man sich nur an Leute binden, die den Stirnlappen ihres Gehirns durch eine Kommunikationsschnittstelle ersetzen lassen?

Tiffany Savage ist von Bedeutung, schon weil ihr Vater Gary ein VerbesserungsUpgrade für JC hat, wenn er die Begegnung mit Walton Simons im Ocean Lab überlebt. Hunde und Wachen, darunter vier MJ12-Commandos, lautlos und schnell auszuschalten, ist nicht so schwierig. Aber in der Garage, in der Tiffany gefangen gehalten wird, ist Diskretion gefragt. Ein Commando draußen hat den Schlüssel für die Garage. Waffe der Wahl hier: der Elektroschocker, also leise und schnell. Ich habe JC die Tür aufschliessen lassen, sein CloakAug plus Energie Recycling aktiviert, und habe ihn reinschleichen lassen. Dann habe ich zuerst die sitzende Wache an der Tür zu Tiffanys Gefängnis ausgeschaltet. Wichtig ist hier, dass man den Schocker in den Nacken hält. Dann den MIB in die Wade. Dieser Rotauge hat übrigens ein Plasmagewehr, wie es auch Walton Simons hat. Ich konnte mit dem Ding nie viel anfangen, aber wird JC davon getroffen, ist die Wirkung ähnlich verheerend wie beim Flammenwerfer. Offener Angriff ist hier also unklug.
Jaime Reyes! Nimm ihn mit nach HongKong. Du wirst dann zwar Gunther einen "fairen" Kampf ohne Killphrase liefern müssen. Dafür aber bekommst du von Jaime ein Upgrade in HongKong. Ich finde, Jaime ist in Paris nicht sicher und das hat er nicht verdient.
Interessant ist Vandenberg schon allein wegen des Wiedersehens mit General Sam Carter, vor dem JC auch jetzt noch strammsteht, obwohl JC dem alten Mann voraus hat, daß er die nach außen zur Schau gestellte Respektabilität der UNATCO enttarnt hat. Immerhin traut Carter JC zu, die Geiselsituation für die Betroffenen unter Kontrolle zu bringen, ohne die strategische Position der Verschwörer zu stärken. "No negotiation with terrorists, soldier!"
Als autoritätshörig anderen Personen gegenüber habe ich JC nie eingeschätzt. "Yes sir, I won´t stand in anyones way!" Seinen sarkastischen, zynischen Humor läßt er an denen aus, die sich desavouiert haben oder ohnehin nur Strohmänner sind. Aber von den alten Werten, an die er als UNATCO-Agent geglaubt hat wie an die Bibel, kann er noch nicht ganz lassen, obwohl diese mitsamt der Organisation, die sie angeblich durchsetzen soll, längst dabei sind unterzugehen. Wozu er beiträgt.


Deus Ex: Invisible War - Ein würdiger Nachfolger?


Und nun beginnen die Schwierigkeiten: Deus Ex: Invisible War, im folgenden nur mit IW bezeichnet, habe ich bis jetzt zweimal durchgespielt, allerdings im Vergleich zu Deus Ex in Rekordzeit, was kaum an meinen spielerischen Fähigkeiten liegt, sondern am Spiel selbst. Es ist einfach so kurz. Der erste Eindruck war prägend. Als ich DeusEx zum ersten Mal kennenlernte, war ich von der Welt überwältigt,in die ich eintauchte. Das Spiel hat mir eine Gänsehaut nach der anderen beschert und mir klopfte oft das Herz bis zum Hals.

IW hat mir zu Anfang grosse Schwierigkeiten bereitet, weil es nicht flüssig lief, weil die Steuerung komplett anders war und weil ich mich nicht so recht in den Kaffeekrieg einfinden konnte. Ständig habe ich mich gefragt, was zur Hölle eigentlich alle von mir wollen. Dabei wollte ich doch nur JC und Paul wiedersehen. Erst mit der Zeit, etwa ab Cairo, begann es spannend zu werden. Die Spannung kam endlich, auch weil ich nun langsam mit der Steuerung besser klar kam. In Trier nimmt das Spiel Geschwindigkeit auf und mir wurde klar, daß ich eine Menge tun mußte, um JC wiederzubegegnen. Im Black Gate dann, auf dem Weg in die Antarktis, kam die Gänsehaut. Jetzt endlich wußte ich, aus welcher Richtung der Wind weht.


JCs Sanctuary kann Dich tief berühren, vorrausgesetzt, Du kennst den ersten Deus Ex gut. Du bist JC so nahe, daß du in seinen Erinnerungen herumläufst und die Bilder aus Maggie Chows Apartment, der 747, Manderleys Büro und der Klonkammer von Area 51 ließen die Empfindungen von vorherigen Besuchen dort wieder aufkommen, allerdings nicht mit derselben Eindringlichkeit.
Hier hätten mehr Details sicher stärkere Verbundenheit mit JCs Erinnerungen gebracht. Nicht unbedingt in Maggie Chows Apartment. Du findest dort ein Buch, in dem die Mitgliederliste des Luminous Path zu lesen ist, und das legendäre Drachenschwert, das JC bei Maggie Chow sichergestellt hat. Gewünscht hätte ich es mir beispielsweise in der Kabine von Juan Lebedev, in der ich im ersten Teil Anna Navarra bereits ausgeschaltet hatte. Wie wäre es mit der Tür, die Bob Page als Falle für JC hat sprengen lassen, als dieser die Klonkammer betrat oder der Pistole oder dem Datenkubus auf bzw. unter Juan Lebedevs Bett?

Nur gut, daß man auf den originalen Soundtrack zurückgegriffen hat, der mir eine Gänsehaut verpaßt, weil das alte Gefühl dabei wieder aufkommt.

Die Wut auf Billie, die JC beseitigen wollte, war entsprechend groß. „I´ve put her to JCs dragon sword.“ Aber Billies Charisma kann dem von Walton Simons nicht das Wasser reichen. Schade, denn ein gut dargestellter Bösewicht hat was. Obwohl man auch diesem hier ganz leicht die Zähne ziehen kann, wenn man sich tarnt.


Daß ich auch Paul wiederbeleben würde, war kristallklar, denn ich hatte ihn schon in Deus Ex sehr gemocht. Dort hattee ich für seine Rettung alle Höllenhunde losgelassen.
Auch in IW hat man sie dann alle am Hals. Und Paul sagt zu allem Überfluss wieder, er könne auf sich selber aufpassen. Tatsächlich!?

Was ich nun ansprechen will, nenne ich eine typische Krankheit gut durchdachter amerkanischer Filme, die an Qualität verlieren, wenn sie sich ihrem Ende zuneigen: Das Tempo erhöht sich noch einmal - und zwar so sehr, daß sich die Geschichte selbst überholt und sowohl Charaktere, als auch Handlung inkonsequent werden. Eine grandiose Verschwendung. Denn nachdem JC und Paul wiederbelebt waren, änderte sich ihr Status in der Handlung.
Bis dahin waren sie sozusagen der Gral des Spiels. Nun aber wurden sie zur vierten Streitpartei. Somit hätten die Programmierer den beiden mehr Interaktion und Kommunikation mit dem Spieler bescheren müssen, um ihrer Sache wirklich gerecht zu werden. Das ist jedoch nicht erfolgt.
Durch seinen barschen Befehlston und die unterkühlte Distanz entfremdet sich JC vom Spieler. Die Ava Johnson AI sagt Alex zwar, daß JC sich auf die Zusammenarbeit freut, aber JC vermittelt nichts dergleichen. Zwar gleicht Pauls einfache Wärme das wieder ein wenig aus, aber so kommt doch mancher zu dem Schluß, daß JC wohl etwas wie eine kalte Maschine sein müsse, der Vater der Genverschmutzung, ein irrer alter Cyborg, wie die Templer sagen. Und das passt nicht zu ihm. Jedenfalls für mich nicht.

Skillsystem

Abgeschafft. Denkt Euch Euren Teil dazu. Ich finde es nicht sehr konstruktiv.
Korrektur: Im zweiten Durchgang bin ich die weibliche Alex mit leicht veränderten Biomods. Ich muß sagen, daß diese Biomods das Skillsystem tatsächlich teilweise ersetzen. Dennoch finde ich es ziemlich leicht. JC mußte hart arbeiten, um sich zu verbessern. Allerdings wäre es mit dem alten DX Skillsystem bei der Kürze des Spiels sehr schwer geworden, zu nennenswerten Erfolgen zu kommen.


Waffen

Gut gelungen: Drohnen und Tarnfelder; Bot-Kontrolle und Egel-Drohne habe ich noch nicht ausprobiert. Krafterhöhung ist ein Muß, da man dann mehr im Inventar mit sich tragen kann. Außerdem kostet es keine Bioenergie. Zusammen mit JCs Drachenschwert, der besten Nahkampfwaffe im Spiel, ist Kraftverstärkung ein Munitionsparer erster Ordnung.

Beim zweiten Durchgang habe ich die für mich optimale Biomod-Mischung gefunden: Eine gesunde Mixtur aus Angriff und Tarnung. Meine Lieblingswaffe ist wieder einmal das Scharfschützengewehr, wobei das Zielfernrohr eindeutig besser ist als in DeusEx. Einen jammervollen Abgang hat die Miniarmbrust gemacht; der Nachfolger, Boltcaster genannt, ist meiner Meinung nach nicht so brauchbar. Die EMP-Granaten haben mir die mühevolle Suche nach der Schwachstelle in den gepanzerten Paladinen erspart, wenn ich mal wieder wenig Bioenergie hatte und deshalb die Drohne nicht einsetzen konnte. Der Raketenwerfer ist eigentlich nur schlecht zu gebrauchen, obwohl die Idee einer lenkbaren Rakete gut ist. Aber gegen das GEP-Gewehr in DeusEx hat es wenig auszurichten.

Der sekundäre Feuermodus der Mag-Rail plus Schaden und Reichweite hat mir zusammen mit der Spionagedrohne schon so manchen gepanzerten Paladin aus dem Weg geräumt, bevor dieser mir oder anderen größeren Schaden zufügen konnte. Noch eine schnelle Methode, um erfolgreich mit ihnen fertig zu werden.


Level und Informationen

Die Level sind sehr klein. In Deus Ex habe ich eine Wache mit einem K.O-Pfeil überrascht, bin weggerannt und habe mich irgendwo versteckt. Geht hier meist nicht, weil nicht genug Raum zum rennen ist. Deshalb ist auch der Boltcaster oft mehr Risiko als Option, denn Du brauchst Zeit, bis die Betäubung wirkt und - wohin flüchten?

EDIT: In meinem oben erwähnten zweiten Durchgang habe ich folgende Technik entwickelt, um dies auszugleichen bzw. zu ersetzen. Ich tarne, schieße, bin dann natürlich enttarnt, verstecke mich sofort und tarne mich erneut gleichzeitig. Zumeist wirkt das Wunder. Auf Liberty Island hat dies wegen des Gedränges folgenden Effekt: die Kontrahenden greifen sich gegenseitig an und entheben mich der Aufgabe, dies selbst tun zu müssen. Herrscht halt bedrückende Enge ob der vielen sich widersprechenden Interessen... Irgendwie genial. Aber Vorsicht vor Kollateralschäden!

Wären die Level viel größer, hätte es zu seinem Releasezeitpunkt wegen der aufwenigen Texturen allerdings Probleme selbst auf schnellen Systemen gegeben. Man merkte dies im Inclinator, in der Ordensmoschee in Cairo und auf dem Shackleton Ice Shelf. Das Spiel wird ruckelig und schliert.

Eventuell liegt es aber auch daran, daß das Spiel zuerst für Xbox entwickelt wurde und auf dem PC nur emuliert läuft. Diese Hinwendung zum Masssenmarkt hat allerdings für ein Deus Ex fatale Folgen, weil dadurch inhaltliche Tiefe, Detailreichtum, ausführliche Charakterentwicklung und Intensität der Beziehung zwischen Spielfigur und Spielcharakteren verloren gehen. Das hat IW außerordentlich geschadet. Sollte Eidos jemals einen dritten Teil herausbringen wollen und sich noch stärker dem Massenmarkt zuwenden, wird das der endgültige Todesstoß für die Deus-Ex-Reihe sein.

Der Datenkern und überhaupt die Informationen im Spiel sind so arg ausgedünnt, daß man sich bisweilen fragt, ob heutzutage Spieler von PC-Spielen überhaupt noch Wert auf Lesen und Nachdenken legen. Oder wollen die Programmierer das nicht mehr? Wo sind die Zeitungen, die e-mails, die Gespräche, die man noch in seinem Datenkern nachlesen konnte. Und wo bleibt die Zeit, diese zu verarbeiten? Das Spiel hetzt einen von einem Primärziel zum nächsten und von einem Sekundärziel zum nächsten.
Daß diese sich widersprechen und man sich frei entscheiden kann, wie man handelt, ist Deus-Ex-Stil, sogar weiterentwickelt und in Ordnung. Spielt man den ersten Durchgang, dann hängt man aus Mangel an informativem Beiwerk allerdings größtenteils in der Luft, zumindest in Seattle.

EDIT: Auch hier stellt sich dies beim zweiten Durchgang anders dar. Da ich die Zusammenhänge nun schon kenne, kann ich im zweiten Durchlauf anders mitdenken und entscheiden. Weil die meisten Infos, die man im Spiel aufsammelt, nirgendwo als im eigenen Kopf gespeichert werden können, konzentriere ich mich noch mehr als bisher darauf, die Zusammenhänge zusammenzupuzzeln. Und ein Puzzle-Spiel ist es. Alex hat es moralisch sicher schwerer, sich seinen/ihren Weg zu suchen. JC hatte klare Prioritäten sobald die echten Terroristen enttarnt waren.


Gut gelungen, gar nicht so dünn und ausgesprochen spannend dagegen ist die Versalife-Mission. Hier kann man nicht sagen, daß sich zuwenig Infos finden lassen. Das, was man an Datenkuben und holo-messages findet, regt die Phantasie an und verstärkt den Einfluss des Levels auf Dich.
Die Versalife-Forschungsstation ist der einzige Ort im ganzen Spiel, an dem man Blut als Zeuge von Irrtum, Kampf und Tod auf dem Boden findet. Mitsamt der Holo-Nachrichten und Datenkuben ist das Blut ein Echo der Menschen, die dort gelebt und gearbeitet haben.
Ob man Blut in Computerspielen für Erwachsene zeigt oder nicht, ist meiner Meinung nach eine politische Frage. In diesem Fall scheint wohl das Geschichtenerzählen über die political correctnes
gesiegt zu haben. Blut und Tod sind hier ein dramaturgisches Erzählelement.
Das Blut auf dem Boden des Versalife-Gebäudes unterstreicht die Atmosphäre des Levels und läßt den Spieler tiefer in die Geschichte eintauchen.

Dasselbe gilt für MAKO-Ballistics, insbesondere für das BioLab. Hier gibt es für Alex endlich eine Orientierung, die für mich bei jedem Durchgang klarer wird. Mein Gefühl: Ich weiß immer klarer zu unterscheiden, was für mich Verrat ist und wohin ich gehöre. Und jetzt schon setzt sich bei mir Empathie durch für die Verfolgten in diesem schmutzigen Krieg, nämlich für diejenigen, zu denen ich mich zähle, zu Apostlecorps.

Ich habe im zweiten Durchgang härter, kompromissloser entschieden. Ich habe Alex weniger Milde walten lassen, als JC im ersten DX. So habe ich mir die Anstandsdame der Illuminati bereits in der Medina vom Hals geschafft. Ich arbeite lieber allein. Es war auch so schon schwierig genug, Paul zu retten, ohne Dr. Todd Blut zu spenden, zumal man noch darauf achten mußte, daß Leila Nassif nicht ins Kreuzfeuer geriet, denn die SSC-Wachen auf Flugdeck 23 lassen sich schnell in den ungleichen Kampf hineinziehen.

Das Drehbuch des Spiels sowie die Positionen der Streitparteien polarisieren stark. Mit den Templern habe ich kein Mitleid. Dagegen sher wohl mit so manchem MJ12-ler, selbst wenn es sich um Commandos handelt. Beispielsweise die beiden am Haupteingang von Vandenberg. Die betrachten nämlich den schönen Sternenhimmel und geniessen die Wüstenatmosphäre, während JC getarnt an ihnen vorbeischleicht.

Ein Wort zum Geschlecht des Spielers: in meinem ersten Durchgang war Alex männlich. Da ich schon vermutet habe, daß Avas Passagier nur JC Denton sein könne, war mir so wohler, um eventuellen Interessenskonflikten mit ihr nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen.
Später erfuhr ich dann, daß Ava eine AI ist. Nun, und da habe ich mir gedacht, ich bin eine Frau. Dann spiele ich auch als Frau, wenn ich schon die Möglichkeit habe. Was ich den Entwicklern von IW übrigens hoch anrechne.
Missie Denton finde ich sowieso tougher als Sonnyboy Alex.

Mittlerweise habe ich den dritten Durchgang gestartet, aber diesmal mit der originalen US-Version, die ich natürlich noch auf Version 1.2 patchen mußte. Mir gefällt die englische Atmosphäre besser. Die Stimmen sind weicher und es erinnert mich mehr an Deus Ex, das ja auch keine deutsche Synchronisierung hatte. Und möglicherweise ergeben sich auch hier wichtige Unterschiede zur deutschen Übersetzung an einigen Stellen. Gerade erst bin ich in Cairo angekommen, aber es fühlt sich bereits alles viel vertrauter an. Und der Schwierigkeitslevel wird nun auch aufgestockt.

Fazit: Keineswegs ein so schlechtes Spiel, wie viele es empfinden! Kontrovers sicher, aber nicht schlecht. Einer der größeren Fehler war es, JC zum NonPlayerCharacter zu machen und stattdessen einen Niemand wie Alex einzuführen, der bis zum Schluß auch ein Niemand bleibt. Für mein Gefühl haben die Leute um Harvey Smith der Idee "Deus Ex" den Todesstoß versetzt, bevor auch nur eine Codezeile für das Spiel geschrieben war.

Tips und Wissenswertes


DeusEx: der e-mail account, den Tracer Tong für JC eingerichtet hat, lautet JCDenton, Sanctuary.
IW: JCs Sanctuary.

DeusEx: Tracer hat Bots nach Vandenberg geschickt, um die X-51 Leute zu beschützen, sind aber außer Funktion.
IW: Tracers Bots mußt du auch hier auf die Füße helfen. Es macht Spaß, mit Tong in den Kampf zu ziehen. Aber aufpassen! Denn er ist verletzlich.

Die berühmt berüchtigte Soda-Diskussion zwischen Anna Navarre und Gunther Hermann wird in IW zwischen zwei Obdachlosen im zerstörten UNATCO Gebäude erneut zelebriert; ist auch ein zweites Mal hübsch anzuhören.

Sehr chinesisch: Tracers Bots ziert die chinesische Flagge in Vandenberg.
Maos Langer Marsch wird zu Tracer Tongs Großem Vorstoß in IW.
Zitat Ava: "JC benutzt diesen Ausdruck nicht". Klar, der ist ja auch ´n Ami.
In der englischen Version des Spiels sagt Ava sogar:"JC despises the word advance..." aber in den subtitles steht: "JC does not use the word "Advance"...". Also lehnt er diesen Ausdruck "Vorstoß" ab, eventuell weil dieser ihm zu kriegerisch, zu erobernd vorkommt und er das nicht will.

In dem abgeschlossenen Büro der Neun Welten Taverne in Trier liest man in einem Buch die Geschichte eines Greasels, das nicht töten kann oder will und Freundschaft schließt mit einem Jungen. Auf dem Shackleton Ice Shelf kann man außer dem Grey auch noch ein Greasel befreien, das sich im Käfig nebenan befindet. Wer ein Multitool für dieses widersprüchliche Geschöpf opfern mag, stellt überrascht fest, daß dies hier ein Vertreter seiner Art ist, der zum friedlichen Geschöpf mutiert ist. Na bitte, es geht also doch! Führt diese Erfahrung nicht zu der Erkenntnis, daß nicht alle Forschung sich zwangsläufig zu etwas Schlechtem entwickeln muß? Die Zukunft ist keineswegs bereits geschrieben.

Tracer Tong soll ein begnadeter Techniker sein. Dafür haben seine Projekte und Aktionen aber arg viele Flüchtigkeitsfehler. Die Bots hatte ich bereits erwähnt. Sein Pech beim Herumexperimentieren mit dem Grey Death Virus (DX) sollte nicht vergessen werden.

Ava Johnson ist perfekt, soweit ich das beurteilen kann. Aber sie hat unvollständige oder falsche Flugkarten einprogrammiert. So sucht sie in Cairo nach dem internationalen Flughafen, den es nicht gibt, und setzt Alex auf dem Helipad in der Medina ab. Zuerst habe ich gedacht, Ava hätte den Helikopter von Buck "Jock" Flannagan geerbt, mitsamt der veralteten Navigationssoftware.
Allerdings hat Ava eine Programmierung mit solidem historischem und soziokulturellen Hintergrund.

Im Gegensatz dazu NG Resonance, also die Überwachungssoftware der Illuminati, die äußerst unflexibel ist und schnell an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit gebracht werden kann. Alex:"Ich bin Buck Pucket."
NG: "Die Chancen,....einen Bug zu finden, stehen...".


Nicht klar einzuordnen: Sid Blacks Harrier Jet taucht zweimal als Flugzeugmodell in Templer-Revier auf; einmal in Tent04 auf dem Shackleton Ice Shelf und auf Flugdeck 24 in der Arcologie in Cairo oben auf der Empore, wo Pauls Sachen gelagert wurden. Ist dies oder ist es nicht ein Zusammenhang? Etwas für Fans verzwickter Verschwörungstheorien. Oder nur ein Modell eben? Was da wohl dahinterstecken mag, hm?

Meine all-time LieblingsLevel: MAKO Ballistics,
Corporate Suites Cairo - Klara Sparks, die blöde Kuh! Rennt rein und ballert drauflos! -
Trier Porta Nigra + Labor,
Antarktis und Versalife Basis (spookie), wo Du auf den Heizungsrohren über den Gefahrenzonen einen sicheren, ja geradezu totsicheren Sniperplatz hast.

Ich fliege immer mit Ava. Sie verlangt keine Credits, ermöglicht längere Level und ist Familie, da sie auch für JC arbeitet; hiermit habe ich mich geoutet: eine Kooperation mit den anderen Fraktionen kommt für mich nicht in Frage.

Bunker K auf Liberty Island (Home, Sweet Home!) in IW ist ein interessanter Ort. So go explore it!
(An den dort noch verbliebenen gepanzerten Templern kann man sich gut vorbeischleichen. Der Rest steht immer noch vor der UNATCO-Ruine und wartet auf dich, wenn du die Aquinasprotokolldateien nicht an sie übertragen hast; wohl bis zum Sanktnimmerleinstag.)
In Bunker K also hat Saman eine abschließbare Kühlkammer bereitstehen, ähnlich wie die, in der Paul sich befand.
Für wen oder was mag die wohl sein? Natürlich für dich, du biomodifizierter Abschaum! Nachdem du den Templern geholfen hättest, deine Brüder zu eliminieren und den Helioskern zu zerstören, hätte Saman eine beispiellose, weltweite Hexenjagd gegen alles und alle durchgeführt, die seiner Meinung nach unrein sind. Vor der wirst auch du nicht verschont bleiben.

Chad Dumier und Nicolette DuClare kennst du, wenn du DeusEx durchgespielt hast. Chad hat sich vom faselnden Wirrkopf in den Pariser Katakomben zum schamlosen Lügner entwickelt.
Nicolette, Tochter aus bestem Hause, schwingt sich zur manipulativen Heiligkeit auf. Beide haben nichts gelernt: Teile und Herrsche, Zuckerbrot und Peitsche. Einmal mit den Aquinasprotokolldateien und JCs Maschine versorgt, erhalten sie eine nie dagewesene Machtfülle. Auf ihrer Forschungsstation im Erdorbit ist sie den niederen Teilen der Gesellschaft sicher entzogen. Peequods - Queequegs! NG Resonance – pah!

Einmal, weil ich die AI des Spiels testen wollte, habe ich versucht, JC anzugreifen. Ich habe ihm zweimal mit meiner Sniper in den Kopf geschossen. Natürlich hat er gestöhnt, war aber sofort schneller. Und da waren noch Paul die Turrets, die Greys... Wie dem auch sei, es hat mir in der Seele wehgetan und warum eigentlich sollte ich den größten Computerspiele-Helden aller Zeiten verletzen?

Gut : er hat dich benutzt, so wie der MJ12 ihn und Paul benutzt hat. Paul selbst hat sogar seinen eigenen Bruder in the line of fire geschickt, um ihn von der Wahrheit zu überzeugen, auf die Gefahr hin, daß dieser dabei zu Schaden kommt. Anders wäre es auch nicht möglich gewesen für die Dentons, ihre Ziele zu verwirklichen. Das ist allerdings genau das, was viele ihnen nicht verzeihen werden. Ich allerdings schon.

Nicht hilfreich für die Vertrauensbildung ist die Tatsache, daß die Verschmelzung mit der Helios AI zunächst schiefgegangen sein muß. So sehr, daß JC zeitweise den Verstand verloren zu haben schien. Deshalb mußte JC in einer Art künstlichem Koma wieder gesunden. Ob dies tatsächlich gelungen ist bleibt offen.


Meine größte Dummheit im ersten Durchgang: nachdem ich einen der beiden Karkians im Versalife-Gebäude in der Antarktis mit einer Granate erfolgreich zur Strecke gebracht hatte, dachte ich, das ginge mit dem anderen ebenso leicht. Weit gefehlt.
Der war angeschlagen, aber wütend, verletzte mich erheblich und folgte mir in Richtung Medbot. Dabei hatte ich ganz vergessen, daß Medbots alle Lebewesen heilen, auch solche, die nicht zur Krone der Schöpfung zu zählen sind. So standen wir uns also in dem engen Raum gegenüber, der wiedererstarkte, zähnefletschende, tief schnaufende Karkianer und ich, nur von dem Tisch getrennt. Da half nur noch speed and run.

Das DeusEx-Gefühl kommt dann am stärksten auf, wenn ein und dieselbe Ausgangssituation auf die unterschiedlichste Art und Weise lösbar ist und wenn die AI des Spiels für unerwartete Wendungen sorgt. Bei solchen Situationen entsteht die ganz persönliche Bindung zum Spiel und zum Hauptdarsteller, sei es JC oder Alex.

Ich wollte es Leo in Cairo nicht so einfach machen. Statt ihm Geld zu geben, damit er sich verdünnisieren kann, sollte er sein Problem mit den Omar selbst in die Hand nehmen. Beim ersten Mal ging alles gut. Beim zweiten Mal jedoch entschloß sich Ani dazu, seiner Neugier nachzugeben und rannte zielstrebig ins Kreuzfeuer. Nichts war´s mit dem Spaziergang unter Sternen in sauberer Luft. Da blieb mir nichts anderes übrig, als ihn zu betäuben, bevor er sterben würde.

Im dritten Durchgang habe ich Ani eine Bank in den Weg gestellt, was seinen Lauf hin zum Ort des Geschehens etwas verzögerte und ihm dadurch das Leben rettete.
Die Kleinverbrecher in der Medina könnte man auszahlen. Das Geld verwenden sie sicher nicht für Atemmasken, aber was soll´s; sind schließlich bemitleidenswerte Opfer der postindustriellen Geizgesellschaft von WTO und Orden.
Nur ist das zu einfach. Außerdem läßt du dich nicht erpressen als biomodifizierter Superagent, nicht wahr?
Die Gasse ist eng, aber rechts befindet sich ein kleiner Alkoven und ein schräg nach oben laufender Gang. In den bin ich rein und habe abgewartet, bis die zufällig vorbeikommende SSC-Wache aufgeräumt hatte. Ein Betäubungspfeil aus meinem Boltcaster hier und da half ihr dabei.

Beim zweiten Besuch in Cairo wird dieser Gang und das Rohr über der Gasse wichtig, denn dann erst kommt man darüber auf den Dachboden des gegenüberliegenden Hauses, in dem Greasels ihr Unwesen treiben.


Mittlerweile läuft der dritte Durchgang, auf Englisch. Die Fronten stellen sich mir immer klarer dar; meine Loyalitäten auch. So entscheide ich mich jetzt, das Nassif Greenhouse nicht zu zerstören (wozu auch? um der WTO ihre Pfründe zu sichern? jedenfalls habe ich einen pending lawsuit zugunsten der Schwächeren, der Nassifs, nachhaltig beeinflußt ). Macht sowieso keinen Unterschied und man kriegt nicht mehr raus über Leila, wenn man das Greenhouse der Familie schädigt.

Trifft man Billie mit ihrem "Guru" Saman in der Moschee in Cairo wieder, wird man Zeuge ihrer Unterhaltung, die ergibt, daß sich Billie nicht im Geringsten für das Schicksal der von der Seuche 11 bedrohten Menschen in der Medina interessiert, sondern ausschließlich für die Durchsetzung ihrer Ziele. Wo sie sich doch so sehr bemüht, sich als Philantrop und Gutmenschen darzustellen. Sie zeigt ihr wahres Gesicht hier sehr früh, was Alex bei Tong in Trier auch ahnen läßt, wer der Verräter in den eigenen Reihen sein könnte.

Der Sicherheitschef des Apostlecorps stirbt nicht. Ich unterstütze doch nicht so niedere Geschäfte wie die Ermordung von biomodifizierten Leuten, die noch dazu meine Leute sind, um Leichenfledderern die Möglichkeit zu geben, sich zu bereichern.

Dagegen gibt mir der Boß der Arcology gleich zwei gute Gründe, ihn zu strafen:
Er hält die Erkenntnisse zur Reparatur der Luft und damit zur Beseitigung der Seuche 11 in der Medina zurück. Ich will sein dreckiges Geld nicht (immerhin 750 Credits), stattdessen verlange ich eine Erklärung. Die lautet, es seien keine gesicherten Erkenntnisse und das Risiko zur Anwendung sei daher zu hoch. Weshalb dann weist er die Templer an, die Daten darüber verschwinden zu lassen (Holomessage auf Empore in der flight bay 24)?
Er gibt den Templern den Zugangscode für die Apostlecorps Corporate Suites und hilft ihnen dabei, Apostlecorps Cairo zu vernichten.
Also bearbeite ich ihn in flight bay 23 zuerst mit dem riot prod und trage ihn dann in den kontaminierten Sicherheitsbereich in flight bay 24, in dem ich die Daten über Seuche 11 gefunden habe, wo er dann bewußtlos sofort stirbt.


Als dickes Minus von IW empfinde ich die Unmöglichkeit, die originale englische Version statt der deutschen zu installieren. Das klingt undankbar; haben die IW-Entwickler doch so großen Wert auf Übersetzung und Synchronisation des Spiels für den deutschen Markt gelegt. Stimmt, haben sie auch.
Aber diejenigen unter uns, die mit der englischen Sprache vertraut sind und DeusEx gespielt haben, vermissen diese Option.

Durchgeknallt, wie ich bin, habe ich mir die originale US-Version zusätzlich gekauft, nur, um die englische DeusEx-Atmosphäre zurückzukriegen und die originalen Stimmen. Ich denke da vor allem an den Sprecher von Paul und JC, Jay Franke.
Ich bereue diese Investition nicht, hat sie mir doch einen inhaltsverändernden Übersetzungsfehler verraten. Allerdings muß man den Übersetzern zu Gute halten, daß es außerordentlich schwer ist, dies korrekt zu übersetzen, wenn man nur einen einzigen deutschen Satz machen darf.

JC: "I have no enemies, merely topographies of knowledge. The people drift aimlessly, collecting into clans wherever they find a glimmer of knowledge."
Topographies of knowledge entspricht in etwa den Begriffen "Schattierungen", "Varianten", "Grade" von Unwissenheit.
Von "Würmern" ist hier also keine Rede. Es macht schon einen Unterschied, ob man die anderen Fraktionen persönlich abwertend als Würmer betitelt oder ob die im Spiel dargestellte Konfliktsituation sachlich abstrakt beurteilt wird.
Es wirft ein anderes, schlechteres Licht auf JC und kann unter Umständen die Entscheidungen des Spielers/der Spielerin nachhaltig beeinflussen und das auf der Basis einer Fehlinformation.
Die englische Sprache drückt komplizierte, abstrakte Inhalten oft eleganter aus, als die deutsche.


Fazit: Die Abenteuer sind im Kopf



Ich habe nun den vierten Durchgang abgeschlossen, als weibliche Alex auf realistisch und habe noch Einiges anzumerken. Mir sind Dinge aufgefallen, die ich bei den ersten drei Durchgängen so noch nicht, oder noch nicht so klar gesehen habe.

Dies macht ein paar Abschlußbemerkungen nötig. Ich halte das für fair dem Spiel gegenüber und den Entwicklern, die seit Herausgabe von IW weltweit so Manches einzustecken hatten.

Wenn man das Spiel nur einmal oder zweimal spielt, oder nicht genau zuhört, oder wenn man IW zu nahe an den street-sweeper DeusEx stellt, wird man den Entwicklern nicht gerecht. Beim mehrmaligen Spielen in verschiedenen Varianten, auch mit verschiedenen Kombinationen von Biomods öffnet sich einem das Spiel und rückt seine Tiefe raus, die IW hat, auch wenn so vielen dies nicht auffällt.

Die Feinheiten rauszukitzeln ist auch die Aufgabe des Spielers; ich will doch nicht nur Konsument sein. Ich möchte mich einbringen, insbesondere in ein RPG, denn davon lebt diese Art Spiel. Es nutzt nichts, den Entwicklern immer wieder ihre Fehler vor den Latz zu knallen. Viel konstruktiver ist es, ihnen zu zeigen, wo sie etwas richtig gemacht haben, wie wir Spieler mit dem Inhalt ihrer Produktion umgehen und das möglichst schöpferisch. Kritik ist gut und richtig, darf aber nicht zum Selbstzweck werden.

Wenn wir alle einen dritten DeusEx wollen, dann sollten wir die Leute nicht unnütz entmutigen, denn die derzeitige Ausgangslage ist auch ohne den öffentlichen Aufschrei zu Beginn des Jahres 2004 nicht gerade rosig. Eidos hat immer noch die Rechte auf DeusEx, auf die Idee, darauf, DeusEx zu vermarkten. Ion Storm hat sich zusammengefaltet und Eidos ist verkauft. Warren Spector und Harvey Smith sind nicht mehr bei dem Laden, aber nichts spricht gegen ein Projekt:DeusEx III, wenn genug öffentliches Interesse daran besteht.



Kuriositäten aus dem vierten Durchgang

UpperSeattle Enclave

Die Templar haben in der ruhigen Enklave erhebliche Unruhe gestiftet, um, wie sich später herausstellt, einige Ablenkungsmanöver zu haben für die Befreiung eines Templar Offiziers aus dem Gefängnis. Ziel der Aktionen, bei denen die Templar Abtrünnige aus den Reihen des Ordens abgeworben haben, war es, die Testpersonen in der Tarsus Akademie in Seattle zu liquidieren. Während also Lin-May Chen naiverweise von einer "Befreiung" der Versuchspersonen ausging, lanzierten die Templar den nach Chicago zweiten Versuch, dich, Alex, den weiterentwickelten Klon von JC und damit dein Genprofil zu vernichten.

Da hätten wir in der Metro die Gangster, und vor dem Zugang zum Inclinator ebenfalls. Ich bin diesmal zuerst zur WTO; mußte also an den scabs dort vorbei. Anstatt aber durch den Lüftungsschacht zu kriechen und ihnen die Leviten zu lesen, habe ich zwar mit ihnen geredet, bin dann aber mit einer Kiste hingegangen und habe die in die Goldstrahlen geworfen. Diese ist drüber geflogen, da habe ich einen Sessel geschnappt für den zweiten Versuch. Der ist zwar geglückt, aber der Sessel hat sofort angefangen, zu brennen. Nach einer Weile ging er aus und ich konnte ungehindert unter den Goldstrahlen hindurch zur Metro kriechen. Kurioserweise haben sich die scabs am Metroschalter nicht im Geringsten für meine Aktivitäten interessiert.

Mit den Aufträgen von Donna Morgan im Gepäck ging´s dann wieder nach downtown Seattle, in den Club Vox, in die Emerald Suites, in den Coffee Shop und dann Richtung Inclinator. Diesmal habe ich mit den Schurken dort nicht geredet. Ich wußte ja, was sie wollten. Stattdessen bin ich rechts an ihnen und der großen Kiste in der Mitte vorbeigeschlichen und sofort in den großen Müllcontainer gesprungen. Von dort aus habe ich die scabs mit Pappkartons beworfen, woraufhin sie augenblicklich anfingen, wild in der Gegend herumzuballern. Während der Aerobot sich "liebevoll" ihrer annahm, saß ich unbeschadet und ohne einen Schuß abzugeben im Müll. Das Problem war ohne großen Aufwand und ohne Verletzungen meinerseits gelöst und ich habe dann die Jungs alle in den Container versorgt, aus dem ich rausgesprungen war.

Den Mordauftrag am Waffenhändler und Rechtsanwalt habe ich nicht ausgeführt. Ich habe nicht eingesehen, wozu das gut sein soll. Den Club Vox Besitzer allerdings habe ich an die WTO verpfiffen, zwangsläufig, weil ich durch die Lüftungsschächte in sein Büro eingebrochen war. Angeschwärzt habe ich auch die Omar bei NG, bin dann aber nicht wieder in den Club zurück, sodaß ich meinen bevorzugten Kundenstatus bei den Omar nicht verliere.

Nach Erledigung aller Aufgaben in LowerSeattle samt Schlachtung von Gob-zilla und dementsprechend gefülltem Geldbeutel geht´s zurück zum Inclinator, in dem es diesmal nicht so friedlich abläuft, wie beim ersten Mal. Jetzt wird dann schon einiges klarer, die Konspiration der Templar bezüglich der Waffenlieferung und die Spaltung des Ordens in gemäßigte und fundamentalistische Anhänger, die wie die Templar einen nicht so flexiblen Kopf haben. Diese sehr treffende Beurteilung stammt von der Wissenschaftlerin in Tarsus Seattle, die du mitsamt ihrem Kollegen von eben diesen Angreifern aus dem Orden schützen sollst.


Cairo

Die Freude an dem Spiel begründet sich daraus, daß jeder Durchgang, ja jede Szene, die man mehrmals durchspielt, in dem man ein save noch mal lädt und eine andere Variante durchspielt, anders abläuft. Keine Variante gleicht der anderen und die AI des Spiels generiert ebensoviele unterschiedliche Abläufe. Nehmen wir mal eine Szene aus dem zweiten Besuch in Cairo. Du kannst Leo Jankowski Geld geben, damit der sich absetzen kann. Du solltest auf jeden Fall das Gespräch mit ihm so lange führen, bis Leo sich wiederholt. Wenn du ihn provozierst, geht er dazu über, sein Problem mit seinen ehemaligen Arbeitgebern selbst in die Hand zu nehmen und ein für alle Mal zu lösen. Folge ihm und sieh zu, wie er seine Ladungen auf die Omar ablädt. Kannst du dich an Ani erinnern? Er überredet seine Frau dazu, mit ihm einen Spaziergang in sauberer Luft unter Sternen zu machen. Aber die Neugier packt ihn und zieht ihn an den Ort des Kampfgeschehens zwischen Leo und den Omar. Nicht selten geht Ani dabei drauf und bezahlt teuer für seine Neugier, aber nicht immer. Manchmal kommt er zu spät und überlebt. Ich habe diese Szene mehrmals durchgespielt, weil mir keiner der Kampfausgänge gefallen hat. Bei jedem Mal reagiert Ani anders. Schlußendlich habe ich Leo das Geld gegeben nach einer langen Diskussion, bei der ich alle Informationen aus ihm herausgekitzelt habe. Sid Black sollte doch auch mal einen zahlenden Fluggast bekommen. Und an der Tatsache, daß Leo immer nach New York kommt und meist auch da sein Leben verliert, ändert es gar nichts.

V-mails und öffentliche Nachrichtenterminals beinhalten oft mehrere Meldungen. Daher sollte man jede Station mehrmals abfragen, um alle Informationen rauszuholen. Wie in DeusEx die Zeitungen, so verraten auch die öffentlichen Terminals in IW Details über kommende Level. Diese Wettermeldung aus New York beispielsweise gibt, verbunden mit der Information über das eutaktische Verhalten der Naniten bei niedrigen Temperaturen, die man in der Tarsus Schule in Cairo beim ersten Besuch finden kann, eine Ahnung von dem, was dich erwartet. So zählst du immer zu den auf diese Art gut informierten Kreisen. Dieses Terminal hat mir auch verraten, daß ich einen großen Fehler gemacht habe. Der Manager des Pequods in Trier ist ermordet worden. Grund dafür kann nur sein, daß ich ihm geraten habe, mit seiner neugewonnenen Erkenntnis über die beiden Kaffeekonkurrenten an die Presse zu gehen. Hätte ich ihm doch gesagt, er solle die Finger davon lassen! Andererseits weiß ich auch jetzt, daß Chad Dumier mit seiner Drohung, Klara umzubringen, wenn ich nicht spure, Ernst machen wird, denn wer sonst sollte wohl hinter dem Mord an dem Pequods Manager stecken. Und, man verzeihe mir diese persönliche Anmerkung, ich weiß auch, was ich von den Illuminati und ihrer Ehrenhaftigkeit zu halten habe. JC und Paul haben ein solchermaßen verbrecherisches Verhalten nicht nötig.

Zum Thema "Credits": manche Aufträge sind unmoralisch oder zumindest zweifelhaft. Aber sie bringen Geld. Meist räume ich den jackpot nur ab, wenn damit kein "begründbarer" Auftragsmord verbunden ist. Gob-zilla zu töten und von der exzellenten Quote im Greasel Pit zu profitieren, treibt mir nicht gerade die Schamröte ins Gesicht. Aber 750 credits Schweigegeld vom Boß der Arcology für sein Verbrechen an der Bevölkerung der Medina sehr wohl.

Wenn du hier nicht bis zum Gitter läufst, entgehen dir wenige credits, aber der Medina Bewohner weiter hinten überlebt, weil keine neuen Greasels von hinten kommen. Übrigens sind spiderbombs the best buy gegen Greasels und Karkians. Und du kannst dem Kampf immer zuschauen. Sie greifen dich nicht an, denn sie sind ja beschäftigt.


"All Hesse sinn Verbrescher, weil die klaue´ Aschebäschä."

Zitat vom Boß der "Orthopädischen Strümpfe" aus einem Radiointerview des Hessischen Rundfunks zum Thema "Matthias Beltz" und die hessische Mundart. So gehört auf der Fahrt nach Kiel zum Norwegen-Kai im Jahre 2002 im Clubjoker T3. Ich mußte den nächsten Parkplatz anfahren, weil ich vor Lachen die Karre nicht mehr gerade halten konnte auf der scheiß Autobahn.

Worum geht´s hier eigentlich?

Um Rythmus und Inszenierung - ja, darum geht es.

Inszeniert wird der Reim. Das Verb "klauen" müßte grammatikalisch korrekt am Schluß des Satzes stehen. Das darf es aber nicht, denn dann würde der Reim nicht mehr zur Geltung kommen. Ein Zusatzeffekt dieser Satzstellung besteht darin, daß der Satz einen schon fast musikalischen Rythmus bekommt.

Was das mit IW zu tun hat? Nochmal: es geht um Inszenierung und Rythmus. Das beste Beispiel für eine rundum gelungene Dramaturgie ist das verfallene UNATCO-Gebäude.

Es ist ein Ort, der die Phantasie beflügelt. Früher einmal war es ein Zentrum der Macht. Gut, die UNATCO war nur eine Art mißglückte PR-Investition von Bob Page, aber für einen gewissen Zeitraum war es so. Zum Zeitpunkt von IW ist davon nur noch das Gerippe des Gebäudes übrig, zertrümmerte Möbel, herumliegende Schilder (UNATCO personnel only - no unauthorized access; level1 etc.) und Gerüchte über die Leute, die früher einmal dort gearbeitet haben, nichts Konkretes, Genaues, nur ein gespenstischer Hauch, ein verhalltes Echo, auch im Kopf von uns Spielern, die wir - zumindest die meisten - alle DeusEx gespielt haben.


Dies ist eine Art Amphitheater, historische Ruinen mit Schauspielern, die ihren Akt spielen. Alle lebenden Personen dort sind die Obdachlosen auf der einen und die Templar auf der anderen Seite. Die Ersteren hängen im Limbo ihrer eigenen, verkrachten Existenz und passen gut zum Verfall um sie herum. Die Letzeren dagegen sind sehr zugeneigt dem Diesseits und ihrer Vorstellung von Zukunft.

Die homeless triffst du in den Büros, die du so gut kennst, dein eigenes (JCs Büro), Manderleys Büro, im Aufenthaltsraum, wo sich herausstellt, daß der paranoide Gunther Recht hatte mit seiner lemon-lime Konspiration. Die homeless kommentieren das alles, was gewesen sein könnte, und liegen dabei absolut richtig.

Ein CleanerBot hat in DeusEx an eben derselben Stelle den Teppichboden gesaugt, wie jetzt noch in IW und die Stelle ist schon ganz blank. Die Zeit ist hier stehengeblieben, eingefroren. Unten an der Treppe, am Eingang zum MedLab, zu Alex Jacobsons ehemaligem Büro und zu Sam Carters ehemaligem Waffenarsenal, patroulliert ein Templar in Powerarmor. Ich räume mir den idR aus dem Weg. Ich habe mir dafür mehrere Versuche genehmigt, um die für mich interessanteste Variante zu finden. Bei einem dieser Templar dispatches nun versammelten sich alle Obdachlosen auf dem Absatz zwischen der ersten und der zweiten Treppe. Sie sahen aus, wie eine Art Publikum, standen da, wie ein Chor und ich dachte, gleich werden sie alle zu singen anfangen.

Und da ist mir eine Parallele aufgefallen zu den klassischen, griechischen Tragödien, die auch alle einen Chor haben, Leute, die die Geschehnisse für´s Publikum kommentieren und auch als Zeugen fungieren für die Handlung.

Wobei es sich hier mehr um eine Art Tragik-Komödie handelt, weil ich mir das Lachen nie verkneifen kann und den Zynismus, der im UNATCO-Gebäude aufkommt.

Das kann kein Zufall sein, daß mir dieser Gedanke kommt und ich bewundere die geniale Inszenierung, die hier in der UNATCO gelungen ist.

Tabubruch

Ein Wort zu einer aktuellen Diskussion: Gentechnik, bioengeneering, Stammzellenforschung; mir ist klar, daß das hier einen Aufschrei der Entrüstung provozieren wird. Ich werde aber darlegen, daß es nicht richtig ist, sich vom derzeitigen Zeitgeist leiten zu lassen bei der Beurteilung dieser ethischen Frage.

Der Mensch ist ein werkzeugmachendes Tier, das sich auf diese Art seit seiner Existenz seine Umgebung an sich selbst, dem unangepassten Tier, angeglichen hat. Wir schauen der Natur ihre Tricks ab und setzen sie zur Herstellung unserer tools ein: wir kopieren die Statik der Natur, um Brücken zu konstruieren; wir übernehmen Materialien, die die Natur verwendet, um unsere Werkzeuge effektiver zu machen; wir übernehmen Substanzen aus der Natur und optimieren sie; wir ahmen die Vorgehensweisen biologischer Prozesse nach, um fehlerhafte Entwicklungen in unseren Körpern zu korrigieren. Warum nun sollte diese folgerichtige Entwicklung an den Genen des Menschen Halt machen?

Betrachtet man die Geschichte der Forschung, so fällt eins auf: wird irgendwo auf der Welt zum ersten Mal ein neuer Gedanke gedacht, eine neue, oft revolutionäre Entdeckung ausgesprochen, so läßt sich das weder rückgängig machen, noch mit staatlicher oder juristischer Gewalt unterdrücken. Es wird unabhängig vom Ort der ersten Erkenntnis an einem anderen Ort auf dem Planeten wieder gedacht werden. Es liegt einfach auf dem Weg der Menschheit. Also sollte es auch genutzt werden, denn ich bin fest davon überzeugt, daß viele Krankheiten, die heute noch unheilbar sind, in Zukunft nur mit der Gentechnologie behandelbar sein werden. Nicht jetzt, oder in zehn Jahren. Vielleicht in 100 Jahren, für uns zu spät, aber für spätere Generationen fundamental. JC: "Like it or not, intelligent life WILL evolve to the next level with or without us."

Seit etwa zehn Jahren muß ich feststellen, daß sich die Gesellschaft zurückentwickelt. Aus Angst vor der Zukunft wenden sich die Leute von ihr weg, driften hin zu alten Konzepten, Religion, Fundamentalismus, Erhalt von Werten, deren zeitspezifische Ausformung der Vergangenheit angehört und die längst zur Disposition steht. Das gilt ebenso für Gods own hawks in den USA, wie für große Teile der europäischen Bevölkerung, seien sie nun religiös motiviert oder nicht. Diese fundamentalistische Tendenz macht also nicht Halt vor der muslimischen Welt, die mit Terror auf den Sog der Geschichte reagiert. Die kürzlich erlebte Pabst-Hysterie ist eine populistische Form dieser Rückwendung.

Nach meinem Dafürhalten ist das eine fatale Entwicklung, zu viele Schritte zurück. Es wird den Menschen nicht mehr Halt geben in einer Welt im Umbruch, in der viele auf der Strecke bleiben. Es wird im Gegenteil alle zurückwerfen. Der Vorwurf lautet, daß die Gentechnologie-Befürworter Gott spielen wollen. Aber was ist mit ihren Gegnern? Spielen die nicht auch Gott, in dem sie die Weiterentwicklung auf diesem Gebiet verhindern wollen und damit Weichen stellen für uns und künftige Generationen, die über Leben und Tod entscheiden? Dies ist für mein Empfinden Heuchelei.

Panik braucht nicht geschoben zu werden. Das menschliche Genom ist zwar entschlüsselt, aber die Funktion der einzelnen Gene und ihre Wechselwirkung untereinander noch lange nicht. Daher wird die Anwendung der Erkenntnisse noch lange auf sich warten lassen. Schließlich möchte niemand Schaden anrichten. Die Gefahr von Rekombinationsanomalien ist tatsächlich sehr hoch. Dies ist keine farbige Erfindung des Spiels.

Mal ehrlich, wovor haben "wir" denn so große Angst? Vom Klonen eines einzelnen Menschen ist man längst ab. Das macht keinen Sinn. Die altbewährte Methode der Fortpflanzung ist viel effektiver und mehr Spaß macht sie auch. Apostlecorps ist auch vom Klonen ab. Sich eine Armee von geklonten, steuerbaren Individuen vorzustellen ist lächerlich. Wer beim Thema "Gentechnik" gleich ans Klonen denkt, weiß nicht mehr darüber, als was er in der Regenbogenpresse liest. Klonen macht in "Star Wars" Sinn, ist aber für das reale Leben höchst unpraktisch und ineffektiv. Also wovor genau haben die Leute Angst? Ich verstehe es nicht so recht.

Um noch mal auf das Kopieren der Natur zurückzukommen: die Natur betreibt seit Milliarden von Jahren, seit ihrer Entstehung Gentechnologie. Von Viren und Bakterien lernen heißt siegen lernen. Und die teuflische Effektivität bestimmter Viren beispielsweise sollte uns die Dringlichkeit der Beschäftigung mit der Gentechnologie vor Augen halten. "Das Glück eines Einzelnen wiegt schwerer, als das Glück vieler." Um bei Science Fiction zu bleiben: ich folge mehr dem Star Trek Universum, als der mysthisch unterlegten Star Wars Welt. Hier geht es nicht um gesellschaftliche Ideologien. Hier geht es um das Schicksal einzelner von unheilbaren, tödlichen Krankheiten Betroffenen. Um den Einzelnen in der Gesellschaft geht es und um sein Recht auf Leben. Denn nur die Abkehr von der leichtsinnigen Verschwendung von menschlichem Leben wird die Menschheit als Ganzes weiterbringen.

Ich weiß, daß das hier keiner gerne liest, wenn es überhaupt jemand liest. Für viele ist das eine moderne Form der Ketzerei. Aber ich bin nicht gewillt, dem herrschenden Zeitgeist zu folgen oder mich selbst zu zensieren in meiner freien Meinungsäußerung, nur weil es sich hier um ein Tabuthema handelt. Gerade die bedürfen der offenen, unverkrampften Auseinandersetzung.


NPCX 2005

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