Kurzgeschichten

Cúthalion: Der Poltergeist

Cuthalion: Superhelden

Watts: Sir Galahad


Ein Tag aus dem Leben eines Superhelden

aufgeschrieben nach einer Überdosis MAX-Steel auf SuperRTL



Robert Ubbish, der Superheld, dessen Actionfiguren von jedem Kind geliebt und von allen Eltern bezahlt werden, wachte an jenem superheldenfreundlichen Morgen früher auf; dachte er zumindest. Nach einem messerscharfen Blick auf seinen Funkwecker mit stündlichen Internet-News fiel ihm auf, dass es fast Mittag war. Zum Glück wird er nicht stündlich bezahlt, jedoch kann ich es mir schon mal ersparen, den Vormittag zu schildern. Der Schlaf, selbst von Superhelden, ist nicht besonders aufregend.
Der Diener unseres Modells, H. Otleyene, hatte die ganze Zeit vor dem Bett gestanden und (unschlüssig wie er ist) versucht, seinen Gott mit abgehackten Sätzen zu wecken. Das war ihm schließlich auch gelungen. Robert Ubbish sagte in seiner gewohnt herablassenden und überaus arroganten Art: »Du weißt doch, dass du mich nicht wecken sollst. Meine symbiotischen Zellen vertragen das nicht.«
»Sir, es ist kein Mensch im ganzen Haus. Und Sie haben überhaupt keine symbiotischen Zellen. Außerdem ist das Mittagessen fast fertig.«
Robert Ubbishs Miene hellte sich auf: »Ein wunderschöner Morgen...«
»...Mittag.«
»Ist doch egal: Die Vögel zwitschern, die Bäume rauschen und die Autos von der Kanalreinigung stinken bestialisch. Was hast du mir denn Schönes zu essen gemacht?«
»Es gibt mittlerweile kalte Thunfischpizza, die gerade vor Ihrer Residenz hält, Sir.«
Sie gingen hinaus. Als der gut aussehende Italiener einen Lachkrampf erlitt, sprintete Robert Ubbish ins Haus und kehrte mit Unterhosen wieder zum Zaun zurück. Er sah sich die Pizza an: »Riechen Sie nichts, Otleyene?«
»Ich persönlich...nichts. Oder sollte ich besser fragen, was sie denn riechen?«
»Halte ich auch für angebrachter. Schießen Sie los!«
»Was riechen Sie, Sir?«
»Ich rieche Eibe, das hier ist kein Rosmarin. Dieser Halunke wollte mich vergiften!« Er hob den Italiener am Hals hoch. Als der Kopf abriss, kamen mehrere Drähte, Leuchtidioten und Metallstangen zum Vorschein, das nämlich schlussfolgerte Robert Ubbish.
»Das ist einfach unfasslich!« meinte H. Otleyene, »Wie konnte der Roboter einen Lachanfall bekommen?«
Sein Gegenüber versetzte ihm einen Blick, der soviel sagte wie: »Woher soll ich wissen, wie ein Roboter einen Lachanfall kriegen kann und warum er mich ohne Unterhose komisch findet. Er wollte mich vergiften und deshalb fliegen wir jetzt zu der Pizzeria.«
Sein Diener überlegte kurz und meinte schließlich: »Wieso fliegen? Um diese Zeit ist nicht mal Stau in der Stadt.«
»Mag ja sein, aber vielleicht sind Jalousien oder wie die heißen unterwegs.«
»Die heißen Journalisten. Von mir aus, Sie sind der Boss, vertraglich. Auf geht’s!«
Sie rannten ins Haus und flogen bald darauf mit einer senkrecht startenden Sea Harrier, die zuvor im Gartenteich geparkt gewesen war, gen Stadt davon. Dort landeten sie im einzigen Park der Stadt, was zwar den Bäumen nicht sonderlich bekam, den Parkbänken aber dafür noch weniger. Die beiden stürzten sofort in Richtung der Pizzeria und stießen auf der ziemlich breiten Straße den einzigen Orangenhändler um. In besagtem Gebäude rammten sie einen Kellner, dessen Pizza vom Tablett in den Ofen segelte. Robert Ubbish stoppte, sah leicht schmunzelnd den Kellner an, der sich gerade die Hand unter fließendem Wasser kühlte und meinte: »Die war eh noch nicht durch.«
Alle fanden das lustig, außer den Anwesenden. Nun befanden sie sich gegenüber von sieben unbeschrifteten Türen, welche unser Superheld der Reihe nach eintrat und dabei aus Versehen die Klinken übersah. Er traf einige Köche, Gäste auf der Toilette und ein paar grobe Ziegelsteinmauern.
In dem letzten Raum stand ein hoher Mann im schwarzen Anzug und er war von vier grimmig schauenden Yorkshire Terriern flankiert, außerdem von elf bewaffneten Männern.
»Wer ist das?« fragte Robert Ubbish seinen Adlatus.
»Das ist euer Erzfeind Nr. 3, Kategorie „V„ wie viermal besiegt, Brendan Ad-Boys.«
»Aha, der mit dem Kühlschrankblick! Haben Sie versucht, mich zu vergiften? Ich würde das nämlich auch Mata Hari zutrauen, Erzfeind Nr. 5, Kategorie „R„ wie erschossen. Also, wie steht’s?«
Die elf Männer legten an und nahmen Robert Ubbish ins Kreuzfeuer. Der fiel, einem Schweizer Käse ähnlich, um.
Viele Kinder werden jetzt enttäuscht sein, viele Eltern sich freuen und ich kann es mir jetzt ersparen, den Rest seines Tages darzustellen.
Die Mafiosi haben nämlich die Wanze gleich zerlegt, als sie begannen, Robert Ubbish auseinander zu sägen.