Anne: Der Dieb

Cuthalion: Mittelalterliches Mondblitzen

Anne: Freitag der 13.

Freitag der 13.
Tagebuch Garrett, Meister(?)dieb


Heute muss ich das wirklich in Frage stellen! Dabei fing alles so schön an…

Am Donnerstag feierten wir Bassos Geburtstag. Genvieve hatte ein köstliches Menue gezaubert und die Festtagstorte übertraf bei weitem alles an Süßkram, was der Konditor dieser Stadt so zu bieten hat; und dessen Angebot ist unwiderstehlich!
Nachdem wir etliche Flaschen des 2002er Syrah geleert hatten, dieser Jahrgang war superb, gingen wir zu Birnenlikör und alter Pflaume über und das hätte ich wohl besser gelassen…
Natürlich habe ich mich viel zu spät und zugegebenermaßen auch etwas beschwipst auf den Nachhauseweg gemacht. Froh, endlich in die weichen Kissen sinken zu können, satt und mit der richtigen Bettschwere, schlief ich auch augenblicklich ein.
Und dann kam, was kommen musste: ich verschlief! Dabei war ich felsenfest davon überzeugt, dass ich meinen Wecker ordnungsgemäß gestellt und aufgezogen hatte. Aber anstatt 22.00 Uhr zeigte dieser Verräter schon 1.00Uhr. Ich sollte mir bei nächster Gelegenheit einen Neuen klauen! Fluchend schwang ich mich aus den Federn. Schnell unter die Dusche und dann los. Denkste! Als erstes haue ich mir den Fuß an meinem Nachttisch an, dann stolpere ich über den Bettvorleger, kriege gerade noch den Vorhang zu fassen, doch der hält auch nix aus, darum haut es mich voll auf die Tassen. Ich stehe wieder auf und reibe mir schmerzerfüllt meine Glieder. Mir tut alles weh und am liebsten würde ich mich wieder in mein Bett verkriechen, aber ich habe einen Auftrag! Ich hinke ins Badezimmer und betrachte mich im Spiegel: beim Erbauer, ich sehe schön erschlagen aus… da hilft auch Seife und Bürste nicht. Ich versuche es trotzdem damit, aber kaum ist die Seife nass, glitscht sie davon und landet irgendwo auf dem Boden. Bei dem Versuch, das verruchte Ding zu fassen, rutsche und stolpere ich durch das ganze Bad und vollführe einen Spießrutenlauf: der Duschschlauch spielt Henker mit meinem Hals, der Badvorleger macht den Knochenbrecher und wieder schlägt es mich voll hin, dabei will mich der Handtuchhalter aufspießen und der Zahnputzbecher fällt mir auf den Kopf. Aber: ich habe die Seife! Gerade, als ich wieder zum Waschbecken gehe, trete ich auf etwas weiches, glitschiges: Zahnpasta! Und schwupp, schon liege ich wieder auf dem Boden. Die Seife ist natürlich abermals weg und ich bin voller Zahnpasta... Doch ich sehe die Seife. Sie liegt unter dem Waschbecken. Also robbe ich los und nehme das Mordinstrument in beide Hände. Sie ist mein! Leider habe ich die Rechnung ohne die anderen Gegner gemacht, die in diesem Zimmer hausen, und als ich aufstehe, schlage ich mir den Kopf am Waschbecken an. Ich sehe Sterne, falle hintenüber, halte aber krampfhaft die Seife fest. Nein, nein, noch mal lasse ich sie nicht entkommen! Einige Minuten bleibe ich auf dem Boden liegen, um zu Atem zu kommen. Dann stehe ich sehr vorsichtig und langsam auf und gehe noch langsamer und vorsichtiger zur Dusche. Es gelingt mir, mich zu waschen, ohne dabei umzukommen, und als ich das Bad verlasse, bin ich zwar angeschlagen, aber dennoch optimistischer, als noch vor einer halben Stunde. Alles ging glatt, seit ich aus dem Kampf um die Seife erfolgreich als Sieger hervorgegangen war.
Das Ankleiden verlief ebenfalls ohne größere Probleme, wenn man davon absieht, dass ich mein Hemd dreimal auf- und zuknöpfen musste, bis es richtig saß, weil da irgendwie immer ein Knopf zuviel war oder ein Loch zu wenig - können Hemden gehässig sein?
Jedenfalls hatte zum Schluss jeder Knopf ein Loch und fertig.
Danach ging ich in mein Waffenlager und hier wurde ich mir der Wirklichkeit gleich wieder schmerzlich bewusst. Gähnende Leere! Keine Wasserpfeile, keine Gaspfeile, keine Moospfeile, überhaupt keine Pfeile… und - auch keine Minen, keine Blitzbomben - nix. Nur mein einsamer Prügel und ein kleines Fläschchen Heiltrank. Schande über Schande! Noch nicht einmal mein treues Schwert hing an seinem Platz, da fiehl mir ein, daß ich es bestimmt bei Basso hängen lassen hatte.
Na gut, ich verstaute meine ‘Waffe’, stecke den Trank ein und wollte mich auf den Weg machen. Doch halt! Wo zum Teufel waren die Dietriche? Ich suchte überall: Im Bad, in der Küche, unter dem Bett, im Kohlenbecken, im Wassereimer, ich sah sogar ins Aquarium… sie waren scheinbar spurlos verschwunden. Ich wollte schon aufgeben, da sah ich sie auf dem Toilettendeckel liegen, na prima, warum ausgerechnet auf dem Klodeckel..? Egal, endlich konnte es losgehen. Mittlerweile war es 2.00 geworden. Höchste Zeit! Frühstück fiehl aus, es eilte! Denn ausgerechnet heute und nur heute logierte im Hotel “Zur Burrickhöhle” ein seltener Gast: Miss Lea, die schöne Tochter von Baron Herrmann von Güldenbrink. Sie war zu einem Besuch bei ihrer Kusine Thea, der Tochter von Baron Johann von der Protzweide, geladen und befand sich auf der Durchreise. Und - was noch viel wichtiger war, sie hatte den Ring dabei. Nicht irgendeinen, sondern DEN Ring, ihren Lieblingsring, den einen und einzigen. Den mit dem hochkarätigen, lupenreinen, riesigen, perfekt geschliffenen Diamanten! Viel zu schade für so ein arrogantes Gör, wenn man mich fragte, aber man fragte nicht danach, sondern man interessierte sich viel mehr für einen Wechsel des Besitzers : Ein Kunde hatte mir einen sagenhaften Preis geboten, damit ließe es sich eine Zeit aushalten.
Also, es ging los! Ich riß die Tür auf und wollte hinausgehen und …erstarrte: es regnete in Strömen… wieso war mir das noch nicht aufgefallen? Gegen etwas Regen hätte ich ja gar nichts einzuwenden, aber das hier war mehr als nur Regen, das waren wahre Sturzbäche!!! Super, ich würde total durchweicht werden. Aber kam es darauf noch an? Ich musste den Ring holen. Fluchend machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Selbstverständlich ließ ich auf meinem Weg keine Pfütze aus und jedes Schlammloch schien meine Schuhe magisch anzuziehen. Bis ich in der Stadt angekommen war, war ich völlig durchnässt, schlammig und dreckig von oben bis unten und am Tiefpunkt meiner Laune. Doch endlich schien das Blatt sich zu wenden und ich hatte etwas Glück: Weit und breit keine Wachen zu sehen. Die Brüder saßen bei diesem Mistwetter sicher auch lieber in der warmen Amtstube und spielten Karten.
Ich hätte mein Glück nicht zu hoch loben sollen, von wegen Kartenspielen. Um das Hotel herum wimmelte es von Blauröcken. Ich musste mir schnell was einfallen lassen. Die Tochter des Barons schlief bestimmt in der Fürstensuite. Die liegt im 3. Stock, also ganz oben. Also wäre es am besten, ich versuchte es über das Dach, vielleicht über das Nachbarhaus? Schon wieder hatte ich Glück! Das Haus zur Linken des Hotels war unbewohnt. Ich schlich mich im Schatten an den Wachleuten vorbei und suchte nach einem geeigneten Eingang. Und ich fand: Ein Kohlenloch – weit offenstehend. Wie schön. Leise glitt ich hinein und … Platsch!… stand ich bis zu den Hüften im Wasser. Ich war doch wirklich nass genug! Hoffentlich hat es niemand gehört. Aber niemand kam, niemand rief., denn der Regen trommelte so laut; das hatte auch etwas Gutes! In dem Haus war es stockfinster. Ohne Leuchtstäbe konnte ich kaum etwas erkennen und so tastete ich mich vorsichtig durch das Dunkel. Völlig blind stolpere ich durch Zimmer um Zimmer, die Treppen immer höher hinauf, bis es nicht mehr weiterging.. Oben angekommen rang ich erstmal um Atem. Ich war voller blauer Flecke, weil ich so oft angeeckt war. Wieso um alles in der Welt haben die Bewohner ihre Möbel nicht allesamt mitgenommen, als sie ausgezogen sind? Hier oben kommt dann aber durch einen zerbrochenen Fensterladen Licht von der Straße ins Haus und ich kann in schwummrigen Lichtschein wenigstens erkennen, wie ich weiter vorgehen kann.
Plötzlich griff mich etwas an. Ich musste einen Vogel aufgescheucht haben, der sich hier oben eingenistet hatte! Vor Schreck machte ich einen Schritt rückwärts und fiel prompt die Treppe hinab. DAS hatte jetzt aber bestimmt eine Wache gehört! Still blieb ich liegen und lauschte, aber wieder passierte nichts und wieder hörte ich nur den Regen, der unablässig auf das Dach prasselt. Das blöde Vogelvieh schien zum Glück verschwunden zu sein. Auf allen Vieren schlich ich wieder nach oben. Vorsichtig öffnete ich das Fenster, da fiel die Scheibe heraus und zerschellte gedämpft klirrend auf dem verschlissenen Teppichboden. Die andere Scheibe fehlte ebenfalls bereits zur Hälfte - so kam also der olle Vogel ins Haus! Sachte nahm ich die zweite kaputte Scheibe aus dem Fensterrahmen und legte sie auf einen Stuhl. Dann öffnete ich das Fenster ganz und stieg hinaus auf das Sims. Ich wollte mich an der Dachkante zum Hotel herüberhangeln, aber kaum hing ich an der Dachrinne, rutschte ich mit meinen Füßen vom Sims: Vogelkot, das durfte doch nicht wahr sein! Mit meinem ganzen Gewicht hing ich an der Rinne. Hätte ich doch nur gestern nicht so reichlich geschlemmt. Ein Sturz aus dieser Höhe könnte tödlich sein! Mit Mühe gelang es mir, wieder auf das Sims zu klettern. Ich hätte diese Aktion vielleicht besser abblasen sollen, andererseits war ich bei allem Pech doch zu weit gekommen, um jetzt einfach aufzugeben.
Also weiter. Auf die Seite des Hotels zu kommen war nicht so schwierig, aber ein offenes Fenster zu finden schon eher. Doch das Schicksal schien endlich ein Einsehen mit mir zu haben: ein Fenster zum Gang war nur angelehnt. Schon war ich drinnen. Die Suite war leicht zu finden, es standen zwei Wachmänner davor. Ich nahm in Ermangelung von Lärmpfeilen eine kleine Vase von einem Tischchen und warf sie den Gang hinunter, wo sie laut gegen eine Säule polterte. Sofort wurden die Wachen hellhörig und überprüften die Herkunft des Lärms. Derweilen schlich ich so schnell es ging in die Gemächer hinter der Tür. Wieder umfing mich finstere Nacht. Doch durch das Dunkel leuchtete ein schwacher Schimmer. Und in diesem Schimmer, der von einem Leuchtpilz ausing, erkannte ich das Himmelbett, in dem die holde Maid selig in ihren Samtkissen schlummerte.
Wo war der Ring?
Ich sah ihn gleich: sie trug ihn am Finger. Jetzt vorsichtig, vorsichtig… ich nahm ihre weiße, weiche Hand und ziehe behutsam den Ring vom Finger. JA! - Endlich, dafür hatte sich die Mühe gelohnt. Zeit, den Rückzug anzutreten. Ich schlich mich in Richtung Tür. Leider fehltte mir in dieser Richtung der schwache Schimmer, ich konnte kaum etwas sehen und so fiel ich über das erste Hindernis, das sich bot. Was stand der blöde Stuhl auch mitten im Weg? In kürzester Zeit schien das ganze Hotel zu erwachen. Die holde Tochter stand kerzengerade im Bett und kreischte wie eine Sirene, die Wachen polterten zur Tür herein. Urplötzlich war es taghell und ich war völlig geblendet. Blind stolperte ich zum Fenster, riß es auf, verhedderte mich im Vorhang, wollte auf das Sims springen, doch irgendetwas hielt mich zurück und dann riß mein Hemd und ich falle, falle….
Zum ersten Mal für heute begrüße ich das Nass, denn ich lande ausgerechnet und zum Glück mitten im Fluss. Lautes Rufen und wildes Pfeilgeschwirr erwarten mich, als ich auftauche. Eine Menge Wachen waren am Ufer zusammengelaufen und deuten in meine Richtung. Aber es war so dunkel, dass mich die Schützen nicht genau sehen konnten, und so gingen die Schüsse knapp ins Leere. Außerdem riß mich der Strom mit sich, schneller, immer schneller, zur Stadt hinaus. Die Wachen gaben bald die Verfolgung auf, das Wasser war schneller als der flinkste Läufer. Eine Weile ließ ich mich von den Fluten tragen, dann paddelte ich zum Ufer und stemmte mich aus dem Fluss: Und stand mitten in einer Herde Burricks. Verdammt, warum mußten die Viehcher ausgerechnet hier ihr Nachtlager aufschlagen? Ich nahm die klatschnassen Beine in die Hand und flitzte los, so schnell ich konnte - die Biester hinter mir her. Ich höre ihr Rülpsen und spürte den todbringenden Atem auf meiner Haut. Im Spurt sprang ich über Hecken und Steine, dann zwängte ich mich durch einen Dornenwall, den die Burricks natürlich einfach platt trampelten.
Ich war total verkratzt und zerschlagen, die Monster schienen aber völlig unversehrt zu sein Ein Versteck wäre relativ ratsam... Ich sah mich im Laufen um. Wo war ich wohl gelandet? Ein Friedhof - wie originell!
Ich werde gleich hier liegenbleiben können, wenn ich keinen geeigneten Ausweg finde… Stolpernd flüchte ich quer über das Gelände, über Grabsteine und umgestürzte Hammersymbole auf ein Gebäude zu. Es schien verlassen, aber instand zu sein. Eine Kirche des Erbauers; gedankt sei ihm. Wundervoll - die Tür aufgerissen und hineingestürmt, - und vor Schreck erstarrt! Ich war prompt mitten in eine Zombieversammlung geplatzt. Können Zombies eigentlich verdutzt gucken?
Naja, draußen die Saurier, drinnen die wandelnden Toten, was wollte man mehr? Beste Gesellschaft! Ich nahm mein letztes bisschen Kraft zusammen, zog den Knüppel und rannte laut schreiend und um mich schlagend durch die übelriechende Meute. Dann sprang ich durch das rückwärtige Fenster - schade um die schöne Glasmalerei, aber mein Leben war wichtiger - und landete auf freiem Feld.
Ohne mich umzublicken, flitzte ich weiter und blieb erst stehen, als ich den Schutz des Waldes erreicht hatte. Weder die Untoten noch die Biester verfolgten mich. Im Gegenteil, sie gingen aufeinander los, ich hörte lautes Grunzen und Stöhnen. Aber ich wandte mich dennoch eilig ab, einer würde bestimmt übrig bleiben und meine Spur aufnehmen wollen, dann sollte ich nicht mehr hier sein!
Ich lief weiter durch den Wald und erreichte irgendwann mein Haus. Mein Körper fühlte sich an wie eine einzige Wunde und ich war so erschlagen, dass ich sofort in die Federn fiel und bevor mir die Augen zufielen, tastete ich noch in meiner Tasche nach dem Ring: Wenigstens hat sich die ganze Plackerei gelohnt ……









Oder nicht? …… Verdammt! Ich habe ihn doch nicht verloren?!








Wo ist der Ring?!